| Trainingskonzept des Shotokai-Ignatio-Ryu
Das Trainingskonzept welches unserem Trainingsbetriebes zugrunde
liegt ist mehrstufig aufgebaut:
1. Grundlagentechniken (Kihon): Entwicklung von Koordination,
Gleichgewicht, Kraft und
Schnelligkeit
2. Entwicklung von Flexibilität
3. Partnertraining (Kumite): Schulung des Reaktionsvermögens,
Anwendung wirksamer und
harmonischer
Abwehr- und Angriffsbewegungen, Vorübungen zum freien Kämpfen
4. Kata: Abfolge von fließenden aber realistisch-wirksamen
Techniken und Bunkai
5. Selbstverteidigung und freie Kampfformen
Grundlagen:
Für den Anfänger (Weißgurt) liegt der Trainingsschwerpunkt auf der
Entwicklung von Flexibilität. Durch das Bemühen um die
Grundstellung Zenkutsu-Dach” wird neben der
Beweglichkeit gleichzeitig die Beinkraft gestärkt (siehe Abbildung). In
der weiteren Entwicklung kommt die Stellung Kiba-Dachi
dazu, was parallel dazu die Fähigkeit zum Seitenspagat fördert. Ist
die Stellung Kiba-Dachi gemeistert, hat man die Basis für
Kokutsu-Dachi.
Gute Stellungen sind die Grundvorrausetzung für das Erlernen
von “Shoto”-spezifischen
Techniken und Maßstab für die Flexibilität.
Optimale Beweglichkeit ermöglicht es dem fortgeschrittenen Karateka
die Hüfte für alle Techniken - falls erforderlich - auch mit großer
Amplitude frei einsetzten zu können.
Für den fortgeschritteneren Schüler (Gelb- bis Grüngurt) ist die
Verfeinerung der Technik Hauptziel. Parallel dazu kommt das
Partnertraining. Grundfähigkeiten für den Kampf wie
Reaktionsschnelligkeit, ansatzloses Angreifen und wirkungsvolles
Abwehren werden vertieft und automatisiert.
Für den weiter fortgeschrittenen Schüler (ab Blaugurt) steht die
Bemühung um die Feinstform der Technik und deren Anwendung in Kata und
Kumite auf dem Programm. Freie Kampfübungen (nicht Wettkampfkarate),
Optimieren des Kata-Bunkai für die tatsächliche Anwendung und
Selbstverteidigung kommen zusätzlich ins Trainingsprogramm.
Kihon:
Die Grundtechniken im “Shoto-Karate unterscheiden
sich je nach ihrer Herkunft vom “Nakayama”-Shotokan oder
“Egami-Shotokai etwas von einander. Karatetechniken verändern sich
mit der Zeit, indem sie fortwährend auf ihre Wirksamkeit überprüft
werden. Am Anfang sollte man die Techniken der jeweiligen Stilrichtung
jedoch zunächst einmal dogmatisch lernen, bis man sie annähernd
gemeistert hat. Im Rahmen der individuellen Entwicklung eines Karateschülers
können sich die Karatetechniken stilübergreifend in die eine oder
andere Richtung verändern.
Ist jedoch bei der Adaption der Technik das Punkten im
Wettkampf das Prüfkriterium, so entwickelt man sich technisch in die
falsche Richtung. Natürlich werden beim Wettkampf Reaktionsfähigkeit
und Schnelligkeit geschult, was für das Kumite sehr wichtig ist. Aber
man darf den Wettkampf nicht als Hauptziel sehen, sondern als eine
interessante Trainingsmethode.
Im Shotokan wird ein starkes Kime am Endpunkt der
Technik betont. Im Shotokai sind die fließende lockere Ausführung
von langen Techniken und tiefe Stellungen
charakteristisch. Diese Besonderheiten sind keineswegs widersprüchlich.
Entwicklung von Flexibilität
Die Flexibilitätsentwicklung ist die Grundlage für Fortschritte im
Kihon. Dehnungsübungen beanspruchen jedoch viel Zeit und auch die
Bereitschaft, sich mit den Stretchingmethoden zu befassen.
In der Praxis sind für Anfänger zunächst statische
Dehnungsmethoden zu empfehlen (Entwicklung von Körpergefühl,
vermindertes Verletzungsrisiko). Fortgeschrittene können
zunehmend dynamische Dehnungsübungen dazunehmen, die auf
das Techniktraining vorbereiten und den Techniken in vereinfachter Weise
ähneln (z.B. Spagatübungen für Stellungen und Fußtechniken). Statische
Dehnungsübungen sollten am Trainingsende zur Beschleunigung der
Regeneration und als “cool-down” durchgeführt werden.
Wichtig ist, dass man das Stretching anfangs nicht übertreibt und
erst allmählich den Trainingsumfang steigert. Des Weiteren muss vor den
eigentlichen Dehnungsübungen ein mindestens 5-minütiges
Warmup (Laufen, Seilspringen oder ähnliches) erfolgen, um
den Kreislauf anzuregen und die Muskulatur geschmeidiger zu machen.
Dehnungsübungen:
Dehnung der Hüft-, Bein- und seitlichen Rumpfmuskulatur sowie
des Schultergürtels steht im Mittelpunkt. Wir werden zukünftig hier
einige wichtige Übungen vorstellen. Für ein effektives Dehnen muss man
zwischen Übungen unterscheiden, die Beweglichkeit demonstrieren und
solchen, die wirklich beweglich machen:
Kräftigungsübungen und Flexibilität
Eine funktionstüchtige Haltemuskulatur ist
unentbehrlich, um Karatetechniken überhaupt lernen zu können. Die Übungen
sollten besonders für Anfänger physiotherapeutischen
Anforderungen entsprechen, um keine Schäden, vor allem an der
Wirbelsäule, am Kniegelenk und sonstigen Strukturen des
Bewegungsapparates, zu riskieren. Für weitere Fortschritte muss die
Muskulatur zunehmend karatespezifisch trainiert werden.
Flexibilitätsübungen ähneln immer mehr der Grobform der
entsprechenden Karatetechnik. Ziel der Bemühungen ist es die
Voraussetzungen zu schaffen im Notfall auch im kalten Zustand
wirkungsvolle Kartetechniken ausführen zu können ohne sich zu
verletzen. Kräftigende gymnastische Übungen sollten in der Überleitungsphase
vom Anfang zum Hauptteil des Trainings durchgeführt werden.
Konträr ist nur die historische Entwicklung der beiden
Stilrichtungen:
- JKA-Shotokan begünstigte die weltweite Versportlichung des
Shoto-Karate
- Egami-Shotokai entwickelte sich in Richtung Esoterik
Lässt man den japanischen Twist der beiden Shoto-Linien außer Acht
und bemüht sich wirksame Techniken zu erlernen, so kann man frei von
dogmatischen Ballast Kihon trainieren. Der Charakter des Übenden wird
durch die aufrichtigen, stetigen Bemühungen um die richtige Technik
reifen. Schritt für Schritt fließen entscheidende Faktoren wie die
richtige Atmung, Anspannung und Entspannung zur Optimierung der Technik
mit ein.
Kriterien für gutes Kihontraining:
- Angriffstechniken: schnell und ansatzlos große Distanzen überwinden,
Kime
- Verteidigungstechniken: lockere, schnelle Abwehrbewegungen,
Tai-Sabaki
- kurzes starkes durchdringendes Kime beim Gegenangriff
- Grundschultechniken in tiefen und langen Stellungen ( Flexibilität,
Kraft)
Bei der Ausführung der eigenen Grundschultechnik überprüft man die
Kontermöglichkeiten eines imaginären Gegners.
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